Aus Feldbahn.Vorbild.Modellbau
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Geschichte und Betrieb / History & Operation
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Baubahnen
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Die Baubahnen erlebten ihre erste Blütezeit in Europa beim Bau der Eisenbahnen Ende des vergangenen Jahrhunderts bis etwa zum ersten Weltkrieg.
Auf schlesischen Bahnbaustellen wurden bereits um 1870 von der Bauunternehmnung Polensky & Zöllner Lokomotiven eingesetzt. Bekannt ist mindestens eine Bn2t-Maschine. Beim Bau der bayerischen "Ludwigs-Nord-Süd-Bahn" wurden im Abschnitt Lindau - Kempten bei Harbatzhofen 1853 zur Anlage eines Einschnittes handgeschobene Holz-Kastenloren für die Erdbewegungen verwendet.
Für die oftmals beachtlichen Erdarbeiten im Gebirge, aber auch im Flachland, mußten vielfach ausgedehnte Hilfsbauten erstellt werden, um das Baumaterial, die Arbeitskräfte und das Erdreich zu transportieren. Im Gebirge sind diese Trassen mitunter noch heute vorhanden, wie etwa die Baubahntrasse an der Südrampe der Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn, die als Wanderweg genutzt und unterhalten wird.
1888 kamen beim Bau des Nord-Ostsee-Kanals ebenfalls Feldbahnen zum Einsatz. Hierbei wurden erstmals Stahlmuldenkipper eingesetzt, die sich durch das deutlich höhere Fassungvermögen gegenüber den alten Holz-Kastenkippern besser für große Erdbewegungen eignen.
Beim Bau der Hochbrücke bei Hochdorn in Schleswig-Holstein wurden 1913 ebenfalls Feldbahnen eingesetzt, um insgesamt 5.320.000 m³ Erde und 16.500 m³ Beton zu bewegen. Beim Bau des Mittelland-Kanals wurden von 1927 bis 1932 mit Hilfe der Feldbahnen sogar 12.000.000 m³ Erde bewegt.
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Bei Tunnelarbeiten werden ebenfalls, sogar noch in der Gegenwart, Feldbahnen verwendet. Der Albstollen, der im Zuge der Wasserleitung vom Bodensee nach Stuttgart in den sechziger Jahren fertiggestellt wurde, ist ein Beispiel dafür. Aber ebenso die Tunnelbaustelle bei Frutigen in der Schweiz, bei der im Rahmen des Großprojektes BAHN 2000 selbst im Jahr 1997 eine Feldbahn eingesetzt wird.
Von dieser Baustelle stammen auch alle Fotos dieser Seite, die uns freundlicherweise von Herrn Johan de Reuver aus den Niederlanden zur Verfügung gestellt wurden.
Eine weitere Blütezeit erlebten die Baubahnen beim Bau der Reichsautobahnen in den dreißiger Jahren. Der Bau der Reichsautobahnen wurde am 27. Juni 1933 mit dem Gesetz über die Errichtung des Unternehmens Reichsautobahn beschloßen. Dieses Staatsunternehmen, das unter dem Deckmantel der Wirtschaftsförderung doch eher militärische Ziele verfolgte, unterlag keinerlei wirtschaftlichen Beschränkungen. Daher konnten die beauftragten Baufirmen ohne Rücksicht auf Kosten sowohl die Arbeitskolonnen des Reichsarbeitsdienstes, als auch Feldbahnen in bisher kaum gekanntem Umfang einsetzen. Die Baubahnen hatten dabei nicht nur die Aufgabe, Baumaterial und Aushub zu bewegen, sondern wurden teilweise sogar über mehrere Kilometer lange Strecken zum Arbeitertransport verwendet.
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Jedes große Bauprojekt bis zum Ende des zweiten Weltkrieges erforderte den Einsatz von Feldbahnen.
So wäre auch der Bau der Kraftwerke bei Ismaning und Finsing in der Nähe von München (1919 bis in die dreißiger Jahre) ohne Feldbahnen undenkbar gewesen. Allein für den Arbeitertransport stand zum Beispiel in Finsing eine 19 km lange, 600 mm spurige Strecke von einer Straßenbahnhaltestelle in München bis zur Baustelle zur Verfügung. In der Bauzeit von 1920 bis 1924 transportierte diese Bahn insgesamt rund 2,47 Millionen Personen, das sind täglich etwa 700 Personen in jeder Richtung.
Ein letztes, aber oft übersehenes Einsatzgebiet von Baufeldbahnen sind große archäologische Ausgrabungen. So wurden beispielsweise bei der Grabung "Fürstenhügel Hohmichele" in Württembarg handgeschobene Loren eingesetzt. Bei der Siedlungsgrabung "Feddersen Wierde" bei Bremerhaven wurden sogar Diesellokomotiven eingesetzt.
Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurden die Baubahnen zunächst als "Trümmerbahnen" zur Beseitigung der Kriegsschäden eingesetzt. Die schnelle Weiterentwicklung im Lastwagenbau und bei Baumaschinen verdrängte jedoch ab den sechziger Jahren die Bau-Feldbahnen zunehmend, sodaß sie heute weitgehend unbekannt sind.
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© 1997/2009, Ralf Schreiner; Photos © 1997 Johan de Reuver, NL.